Wir reden – aber was leben wir vor?
Wir wünschen uns so sehr, dass der Mensch, den wir lieben, "sich verändert".
> Dass er Termine einhält.
> Dass er ehrlich ist.
> Dass er aufhört zu konsumieren.
> Dass endlich Verlässlichkeit entsteht.
Hand aufs Herz: Wie klar, wie konsequent, wie verlässlich und wie ehrlich sind wir selbst?
▪︎ Wir machen Vereinbarungen – und weichen sie wieder auf, wenn es unangenehm wird.
▪︎ Wir setzen Regeln – und brechen sie, sobald unser Mitgefühl größer ist als unsere Klarheit.
▪︎ Wir erwarten Wahrheit – und vermeiden sie manchmal selbst, weil sie weh tut oder Konflikte auslöst.
▪︎ Wir erwarten das der andere "sich Hilfe holt" - und gehen selbstzerstörerisch mit uns um.
Und dann ist da noch etwas, worüber wir oft nicht sprechen wollen: Unser eigener Umgang mit "Suchtmitteln."
Das Glas Wein beim besonderen Abendessen, der Sekt beim Empfang, das Bier bei der Vereinsfeier, das ist alles kein Problem.
Es dann jedoch in Bildern teilen (stolz präsentiert) vermittelt die Botschaft:
„So geht man mit Stress um.“ „Das ist normal.“ „Das ist okay.“
Damit machst du beim Veröffentlichen (Insta, WhatsApp usw.) im Prinzip "Werbung" für eine Droge
Für einen suchtkranken Menschen – oder jemanden, der gefährdet ist – kann genau das wie eine "stille Einladung", aber mindestens wie Toleranz zum Konsum wirken.
Veränderung beginnt da, wo wir den Mut haben, uns selbst anzusehen. Das ist unbequem. Das tut weh. Und vielleicht löst es auch Widerstand aus.
Fragen wir uns doch mal:
▪︎Bin ich klar – oder weiche ich aus?
▪︎Bin ich ehrlich – oder beschönige/verleugne ich?
▪︎Bin ich konsequent – oder verliere ich mich im Mitfühlen?
Kinder, Partner*innen und Angehörige orientieren sich nicht nur an Worten, sondern vor allem am Verhalten.
Wahrheit und Klarheit geben Halt – auch wenn sie manchmal schmerzhaft sind. Unklare Aussagen, Ausweichen oder Beschönigen hingegen verstärken oft Unsicherheit, auch eigene.
Wir sind nicht verantwortlich für die Sucht eines anderen Menschen. Wir sind jedoch verantwortlich für das, was wir vorleben.
Es geht dabei nicht um Schuld oder Perfektion. Es geht um Bewusstsein.
Veränderung beginnt bei uns selbst. Nicht den anderen verändern wollen –
sondern selbst klarer, ehrlicher und konsequenter zu werden.
Gleichzeitig gehört zu dieser Klarheit auch die Erkenntnis:
Sucht ist eine Krankheit.
Wenn du das wirklich annimmst, verändert sich etwas Entscheidendes:
Du hörst auf, vom anderen dauerhaft gesundes Verhalten zu erwarten.
Das bedeutet nicht, alles hinzunehmen.
Aber es bedeutet, deine Erwartungen zu überprüfen – und deinen Blick wieder auf dich selbst zu richten und selbst gesund zu handeln.
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