Warum Lügen Teil der Sucht sind

Lügen gehören oft zum Alltag einer Suchterkrankung.
Für uns Angehörige ist das schwer auszuhalten. Nicht nur der Konsum selbst verletzt – sondern auch die Unwahrheiten, die Heimlichkeiten, das Leugnen, das Verdrehen und die gebrochenen Versprechen.

 

„Ich habe nichts genommen.“
„Das war nur einmal.“
„Ich höre morgen auf.“
„Ich habe alles im Griff.“
„Du siehst Gespenster.“
„Du übertreibst.“

Viele hören solche Sätze über Monate oder Jahre hinweg.
Und irgendwann beginnt etwas Gefährliches:
Man zweifelt an der eigenen Wahrnehmung.
Man "hofft", obwohl man längst merkt, dass etwas nicht stimmt.
Man sucht Erklärungen.
Man glaubt Versprechen, weil man glauben möchte.
 

 

Doch warum wird gelogen? Es ist ein Teil der Erkrankung!

▪︎ Um den Konsum zu schützen
Sucht braucht  Raum, Zeit, Geld, Gelegenheit.
Damit konsumiert werden kann, müssen Fragen abgewehrt, Auffälligkeiten erklärt und Konsequenzen vermieden werden.
Die Lüge schützt also oft direkt den nächsten Konsum.

▪︎ Aus Angst vor Konsequenzen
Angst vor Streit, Trennung, Therapie, Kontrolle.
Angst vor Arbeitsplatzverlust, Polizei oder Strafen.
Die Lüge soll kurzfristig Sicherheit schaffen.

▪︎ Weil Verdrängung Teil der Sucht ist
Manche Betroffene belügen nicht nur andere – sondern auch sich selbst.
„Ich kann jederzeit aufhören.“
„So schlimm ist es nicht.“
„Andere konsumieren mehr“
Diese Form der Verharmlosung hilft, die Realität nicht sehen zu müssen.

▪︎ Weil das Gehirn im "Suchtmodus" arbeitet
Eine Suchterkrankung verändert Denken und Prioritäten.
Der Konsum wird zum Mittelpunkt.
Alles, was den Konsum gefährdet, wird abgewehrt.
Die Wahrheit wird dabei zweitrangig.

▪︎ Weil Lügen gelernt wurden
Wer lange konsumiert, entwickelt oft Strategien.
Verstecken, Ablenken, Manipulieren - Tränen, Versprechen, Wut oder Schuldzuweisungen werden (ein wirksamer) Teil davon.
 

 

 

 

Lügen zerstören Vertrauen. Es ist nicht nur die Flasche, die Tabletten, die Drogen.

Es sind die Geschichten dazu, die Ausreden, das Verschwinden von Geld, das Leugnen offensichtlicher Dinge.
 

Angehörige geraten dadurch in einen Strudel aus Kontrolle und Misstrauen:
Riechen. Suchen. Fragen. Kontrollieren. Überprüfen.

Wichtig ist:
Verstehen, warum gelogen wird, heißt nicht, Lügen zu akzeptieren und Liebe bedeutet nicht, alles zu tragen.

 

Klarheit/Wahrheit für Angehörige kann bedeuten:

▪︎ Der eigenen Wahrnehmung vertrauen

▪︎ Nicht über offensichtliche Dinge diskutiere

▪︎ Grenzen setze

▪︎ Konsequenzen ankündigen und einhalte

▪︎ Nicht kontrollieren, sondern Verantwortung zurückgebe

▪︎ Sich Hilfe holen und regelmäßig austauschen

 

Lügen, die geglaubt/toleriert werden halten die Krankheit am Leben und schützen die Sucht – nicht den suchtkranken Menschen.