Suchterkrankung – vor allem eine psychische Erkrankung (und wir kleben Pflaster.....).
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt Sucht als ein "zwanghaftes Verlangen nach bestimmten Substanzen oder Verhaltensweisen, um unangenehme Gefühle zu lindern oder angenehme Empfindungen auszulösen." und unterteilt sie in zwei aufeinander aufbauende Bereiche.
Psychische Abhängigkeit
Die seelische Abhängigkeit zeigt sich durch einen starken inneren Drang, die Substanz zu nehmen.
Am Anfang geht es um Wohlbefinden, später nur noch darum, unangenehme Gefühle zu stoppen.
Typische seelische Entzugszeichen sind:
- Unruhe, Getriebenheit, Gereiztheit, Angst, depressive Verstimmungen, Schlaflosigkeit
Diese Symptome können sehr belastend sein und sind oft schwerer zu überwinden als die körperlichen.
Körperliche Abhängigkeit
Der Körper gewöhnt sich an die Substanz.
Beim Entzug reagiert er mit starken körperlichen Beschwerden, weil der Stoff plötzlich fehlt.
Typische körperliche Entzugserscheinungen:
- Zittern, Frieren oder Schweißausbrüche, Schwindel, Schlafstörungen, Übelkeit
Warum unsere "Hilfen" nicht helfen können und die Krankheit dann zeitweise verschleiert und nicht behandelt wird?
Wenn wir die Suchterkrankung nun mal bildlich mit einem offenen Bruch gegenüber stellen würden, gibt es zum Vergleich zwei Parallelen.
▪︎ Die innere unsichtbare Verletzung (der gebrochene Knochen) / psychische Abhängigkeit und
▪︎ die äußere sichtbare Verletzung (offene Wunde) / körperliche Abhängigkeit
Wir Angehörige legen mit unseren "Hilfeversuchen" (Verantwortungen abnehmen, Geld oder andere materielle Dinge geben, kostenfreie Wohnmöglichkeiten, Lügen für den Erkrankten, akzeptieren von verletzendem Umgang mit uns uvm.) nur ein Pflaster, evtl. einen Wundverband mit einer Schmerzsalbe auf die äußeren Verletzungen.
So ist es zunächst nicht mehr sichtbar. Nicht für uns (das tröstet uns, weil wir den Anblick der Suchtfolgen nicht ertragen können), aber auch für den Erkrankten selbst nicht. Er sieht die Ausmaße nicht mehr.
So funktioniert jedoch die Genesung nicht. Nicht am Bein, nicht an der Psyche.
Auch bei der Suchterkrankung ist es unerlässlich, dass Fachleute die innere Verletzung "behandeln", der Bereich, der schwerer zu überwinden ist.
Aber: Mit jedem unserer aufgelegten Pflaster bleibt die tatsächliche Erkrankung unbehandelt, schreitet weiter fort, richtet mehr Schaden an.
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