Wenn Fürsorge zur Überverantwortung wird

 

Fürsorge gehört zu einer Beziehung. Wir unterstützen Menschen, die uns wichtig sind, hören zu, helfen in schwierigen Situationen und stehen ihnen bei.

Bei Angehörige von Suchtkranken wird daraus häufig:

„Ich erledige es für dich“ 

„Ich muss auf dich aufpassen.“

„Ich bin dafür verantwortlich, dass dein Leben funktioniert.“

...., wenn wir immer mehr übernehmen

 

Wir erinnern an Termine. Wir telefonieren hinterher. Wir erklären das Verhalten gegenüber anderen. Wir leihen/geben Geld. Wir übernehmen Rechnungen. Wir entschuldigen Fehlzeiten. Wir lösen Konflikte. Wir kontrollieren den Konsum. Wir beseitigen Spuren. Wir versuchen herauszufinden, ob wieder gelogen wurde.

Oftmals verhindern wir dadurch notwendige Konsequenzen, weil wir glauben, den anderen damit zu schützen.

Helfen wird zum Dauerzustand.

 

Je mehr Verantwortung wir für einen anderen Menschen übernehmen, desto weniger Kraft bleibt häufig für das eigene Leben.

Die Gedanken kreisen zunehmend um:

>Hat er getrunken?
>Wo ist sie?
>Hat er seinen Termin wahrgenommen?
>Hat sie genug Geld?
>Was muss ich heute noch regeln?
>Was passiert, wenn ich mich nicht kümmere?

 

Aus gesunder Fürsorge wird Daueranspannung, Kontrolle, Erschöpfung, Schuldgefühle und das Gefühl entsteht, ständig zuständig sein zu müssen.

 

Und irgendwann kann sogar eine Umkehr entstehen:

Dem anderen geht es schlecht – und wir haben das Gefühl, versagt zu haben.

 

Dabei können wir die Entscheidungen eines anderen erwachsenen Menschen weder kontrollieren noch für ihn treffen.



 

* Wenn wir ständig Verantwortung übernehmen, nehmen wir dem anderen die

* Gelegenheiten, selbst Verantwortung zu übernehmen.

* Wenn wir immer erinnern, muss der andere weniger selbst daran denken.

* Wenn wir Schulden ausgleichen, werden finanzielle Folgen abgeschwächt.

* Wenn wir Ausreden liefern, muss sich der andere weniger erklären.

* Wenn wir Konflikte lösen, muss er sie nicht selbst austragen.

Wenn wir immer wieder auffangen, wird ein Teil der tatsächlichen Folgen des eigenen Verhaltens gar nicht erlebt.

 

Welche Verantwortung gehört wirklich zu mir – und welche gehört zum anderen?

Beide Seiten können sich an diese Rollen gewöhnen.

Der eine wird zum Verantwortlichen für alles.

Der andere wird zum Menschen, für den Verantwortung übernommen wird.

 

Es steckt aber auch eine Angst hinter dem Helfen:

  • Angst vor sozialen.
  • Angst vor Schulden.
  • Angst vor einem Streit.
  • Angst vor gesundheitlichen Folgen.
  • Angst davor, als "herzlos" zu gelten.
  • Angst  die Person zu verlieren,  schlimmstenfalls durch  Tod.

Wir müssen lernen, diese Angst für einen Moment auszuhalten.

Der große Rucksack „DEINS“ steht für all das, was wir aus Sorge zusätzlich tragen – während der kleine Rucksack „MEINS“ mit den eigenen Bedürfnissen, Grenzen, der eigenen Gesundheit und dem eigenen Leben kaum noch Platz bekommt.

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