Was bedeutet es, wenn wir von „Knöpfe drücken“ sprechen?

 

Es beschreibt gezielte oder unbewusste Verhaltensweisen, mit denen Suchterkrankte bei ihren Angehörigen Reaktionen auslösen, um etwas zu erreichen (Ruhe, Geld, Unterstützung, Entlastung, das Vermeiden von Konflikten usw.)

 

Die Sucht „steuert“ oft dieses Verhalten.

Typischerweise sind es emotionale Trigger, die Angehörige besonders empfindlich machen, z.B.:

 

🔴 Schuldgefühle

- „Wegen dir geht’s mir so schlecht.“

- „Wenn du mich wirklich lieben würdest, würdest du mir helfen.“

▪︎ Ziel: Druck erzeugen, damit der Angehörige nachgibt.

🔴 Mitleid

- „Ich schaffe das nicht allein.“

- „Ich habe niemanden außer dir.“

▪︎ Ziel: Versorgung, Geld, Unterstützung bekommen.

🔴 Angst machen 

- Angst vor Eskalation, Streit, Rückfall, Selbstgefährdung.

▪︎ Ziel: Angehörige sollen Konflikte vermeiden und nachgeben.

🔴 Verantwortungsgefühl

- „Du musst mir helfen, sonst passiert etwas.“

▪︎ Ziel: Angehörige übernehmen Aufgaben, die eigentlich nicht ihre sind.

🔴 Harmoniebedürfnis

- Suchtkranke wissen oft genau, wie sehr Angehörige Streit hassen.

▪︎ Ziel: Druck, damit man „Ruhe gibt“ und Dinge durchgehen lässt.

🔴 Liebe und Loyalität

- „Du bist die Einzige, die mich versteht.“

▪︎ Ziel: Bindung sichern, Kontrolle behalten, Verhalten rechtfertigen.

🔴 Scham provozieren

- Angehörige wollen nicht, dass andere etwas mitbekommen.

▪︎ Ziel: Probleme werden vertuscht, Verhalten wird gedeckt.

 

Die Sucht schafft ein System, in dem alle Beteiligten bestimmte Rollen einnehmen. Suchtkranke lernen (oft unbewusst), welche Reaktionen ihnen kurzfristig helfen, weiter konsumieren zu können oder unangenehme Gefühle zu vermeiden.

 

Angehörige merken erst spät, dass sie in diese Muster hineingezogen werden. Der erste Schritt ist, die eigenen „Knöpfe“ zu erkennen – und zu lernen, Grenzen zu setzen, ohne in Schuld oder Angst zu verfallen.

 

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